NSHT und die Polyvagal-Theorie
Warum das Nervensystem der Schlüssel zu nachhaltiger Veränderung ist – und was die Wissenschaft dazu sagt.
Ich bin kein Wissenschaftler. Ich bin Therapeut – jemand, der täglich mit Menschen arbeitet und beobachtet, was wirklich hilft.
Aber es gibt eine wissenschaftliche Theorie, die beschreibt, was ich in der Praxis immer wieder erlebe – so präzise, dass ich sie nicht ignorieren kann. Die Polyvagal-Theorie von Stephen Porges.
Sie erklärt, warum Menschen in bestimmten Situationen nicht einfach „runterkommen“ können. Warum Entspannungsübungen manchmal nicht helfen. Warum Trauma im Körper bleibt – auch wenn der Verstand längst weitergegangen ist.
Und sie ist die neurobiologische Grundlage eines zentralen Teils der NSHT.
Horst Gedecksnis, Heilpraktiker für Psychotherapie – Entwickler der NSHT
Was ist die Polyvagal-Theorie?
Stephen Porges – ein amerikanischer Neurowissenschaftler – hat in den 1990er Jahren etwas entdeckt, das unser Verständnis des Nervensystems grundlegend verändert hat.
Bis dahin dachte man: Das autonome Nervensystem hat zwei Zustände – Aktivierung (Sympathikus) und Entspannung (Parasympathikus). Gaspedal und Bremse.
Porges entdeckte: Es ist komplizierter. Und menschlicher.
Er beschrieb drei Zustände, die das Nervensystem einnehmen kann:
- Zustand 1 – Sicherheit & Verbindung: Wenn wir uns wirklich sicher fühlen, aktiviert sich ein spezieller Teil des Parasympathikus – der ventrale Vagus. In diesem Zustand können wir echten Kontakt herstellen, klar denken, lernen, heilen. Unsere Stimme klingt anders, unser Gesicht ist offen, wir können zuhören. Das ist der Zustand, in dem Therapie wirklich wirkt. Und in dem Veränderung möglich wird.
- Zustand 2 – Kampf & Flucht: Bei wahrgenommener Bedrohung schaltet der Sympathikus ein. Energie wird mobilisiert, der Fokus verengt sich, der Körper bereitet sich vor. Das ist sinnvoll – wenn wirklich Gefahr besteht. Das Problem: Bei chronischem Stress oder Trauma bleibt das System in diesem Zustand – auch wenn die äußere Gefahr längst vorbei ist.
- Zustand 3 – Erstarrung & Kollaps: Wenn Kampf und Flucht nicht möglich sind, schaltet das Nervensystem auf einen älteren Überlebensmechanismus um – den dorsalen Vagus. Der Körper „friert ein“ oder kollabiert. Dissoziation, emotionale Taubheit, das Gefühl nicht wirklich da zu sein – das sind Zeichen dieses Zustands.
Was das mit meiner Arbeit zu tun hat
Wenn ich mir anschaue, mit welchen Zuständen Menschen zu mir kommen – dann ist es fast nie Zustand 1.
Die meisten pendeln zwischen Zustand 2 und 3. Manchmal überaktiviert – angespannt, getrieben, auf Abruf. Manchmal kollabiert – erschöpft, taub, abgeschnitten von sich selbst. Und manchmal beides abwechselnd, manchmal sogar gleichzeitig.
Was sie selten erleben: den Zustand echter Sicherheit. Den Zustand, in dem das Nervensystem wirklich zur Ruhe kommt – nicht weil man sich ablenkt, sondern weil es sich sicher fühlt.
Genau das ist der Ausgangspunkt der Nervensystemarbeit in der NSHT.
Wie NSHT mit der Polyvagal-Theorie arbeitet
Ich erkläre meinen Klientinnen und Klienten die Polyvagal-Theorie oft sehr vereinfacht – weil es hilft zu verstehen, was in ihnen passiert. Nicht um es zu analysieren, sondern um es zu erkennen.
„Ah, das ist also Zustand 2. Das erklärt, warum ich in dieser Situation so reagiere.“
Dieses Erkennen allein kann schon etwas lösen. Aber es ist erst der Anfang.
In der NSHT arbeiten wir im Trancezustand direkt mit diesen Zuständen. Der Trancezustand selbst ist – neurobiologisch betrachtet – eine Einladung in Richtung Zustand 1. Das Nervensystem bekommt im Trancezustand die Erfahrung: Es ist sicher. Du musst nicht kämpfen. Du musst nicht fliehen. Du musst nicht einfrieren.
Und dann – wenn das Nervensystem sich ein Stück weit reguliert hat – können wir tiefer gehen. Mit inneren Anteilen, mit emotionalen Wunden, mit dem was darunter liegt.
Das ist die Reihenfolge, die ich in der Praxis immer wieder erlebe: Erst Sicherheit. Dann Tiefe.
→ Wie die NSHT Detail arbeitet
Warum das für dich relevant ist
Du musst die Polyvagal-Theorie nicht verstehen, um von NSHT zu profitieren. Das ist meine Aufgabe.
Aber wenn du das Gefühl kennst, dass dein Körper anders reagiert als dein Kopf – dass du weißt, dass keine Gefahr besteht, und trotzdem angespannt bist – dann weißt du jetzt: Das ist nicht deine Schuld. Das ist dein Nervensystem, das in einem alten Zustand feststeckt.
Und Zustände können sich verändern. Das ist das Entscheidende an der Polyvagal-Theorie – und an der NSHT.
Häufig gestellte Fragen zur NSHT
Wenn du neugierig geworden bist, wie Nervensystemregulation in einer konkreten NSHT-Sitzung aussieht – melde dich gern für ein erstes Gespräch.
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→ Die drei Säulen der NSHT
→ Was ist NSHT?
